Neuer Fokus bei GPLA: Abzugsteuer auf Honorarzahlungen an ausländische Berater

Bislang wurde die Abzugsteuer (§ 99 EStG) im Rahmen von Betriebsprüfungen gemäß  § 147 BAO von der Finanzverwaltung überprüft. Da der Einbehalt von Abzugsteuer in der Vergangenheit selten Schwerpunkt abgabenrechtlicher Betriebsprüfungen war und deshalb in der Praxis oft nicht vorgenommen wurde, erfolgte eine Gesetzesänderung (§ 86 Abs 1 EStG). Ab 1.1.2016 wird die Abzugsteuer somit auch im Rahmen der GPLA (Gemeinsame Prüfung lohnabhängiger Abgaben) geprüft.

Abzugsteuer.

Erbringen ausländische Unternehmer bestimmte Leistungen und sind hierbei im Inland anwesend (insbesondere kaufmännische und technische Beratung, Personalüberlassung zur Tätigkeit im Inland, diverse künstlerische Tätigkeiten etc), so wird die auf diese Einkünfte entfallende Steuer im Wege eines besonderen Steuerabzuges erhoben. Die Abzugsteuer beträgt in den meisten Fällen 20 % vom Auszahlungsbetrag einschließlich sämtlicher Kostenersätze und Sachbezüge; sie ist vom inländischen Auftraggeber einzubehalten und an das zuständige Finanzamt abzuführen. Schuldner der Abzugsteuer sind zwar der Zahlungsempfänger, jedoch haftet der inländische Auftraggeber gegenüber dem Finanzamt für die rechtmäßige Abfuhr der Steuer.

GPLA-Prüfung.

Die Aufnahme der Abzugsteuer in den Prüfumfang der GPLA führte dazu, dass die ordnungsgemäße Abführung der Abzugsteuer nun deutlich intensiver kontrolliert wird. Insbesondere Beratungsleistungen sind vermehrt in den Fokus der GPLA-Prüfer geraten, da die Abzugsteuer in Bezug auf an ausländische Beratungsunternehmer bezahlte Honorare von den Prüfern mit verhältnismäßig geringem Aufwand identifizierbar ist.

Doppelbesteuerungsabkommen.

Die betreffenden ausländischen Unternehmer unterliegen mit ihren österreichischen Einkünften zwar nach nationalem Recht der Besteuerung in Österreich (beschränkte Steuerpflicht). Dieses nationale Besteuerungsrecht wird Österreichs jedoch durch internationale Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) in vielen Fällen entzogen, insbesondere wenn der ausländische Unternehmer in Österreich über keine Betriebstätte (feste örtliche Einrichtung) verfügt. Diesfalls hat der Ansässigkeitsstaat des Beraters das Besteuerungsrecht.

Hat Österreich kein Besteuerungsrecht, darf Österreich nach nationalem Recht dennoch die Abzugsteuer in Höhe von 20 % einheben (dem ausländischen Unternehmer kommt in diesem Fall ein Steuerrückerstattungsrecht zu). Eine Steuerentlastung an der Quelle ist jedoch möglich, wenn dem auszahlenden österreichischen Unternehmer ein vom ausländischen Zahlungsempfänger ausgefülltes und von der ausländischen Steuerbehörde im Ansässigkeitsstaat des Steuerpflichtigen bestätigtes Formular ZS-QU1 (für natürliche Personen) oder ZS-QU2 (für juristische Personen) vorliegt. Damit wird bestätigt, dass der Ansässigkeitsstaat des ausländischen Unternehmers sein ihm nach DBA zugeteiltes Besteuerungsrecht wahrnimmt.

Fazit.

Ob Abzugsteuer von den oben genannten Leistungen ausländischer Unternehmer im Inland einzubehalten oder stattdessen eine Entlastung an der Quelle vorzunehmen ist, wird anhand des jeweils anzuwendenden DBA zu prüfen sein. Soll eine Abzugsteuerentlastung an der Quelle vorgenommen werden, so ist jedenfalls auf das Vorliegen des Formulars ZS-QU1/ZS-QU2 zu achten. Damit werden finanzstrafrechtliche Konsequenzen vermieden und das Unternehmen ist für eine etwaige GPLA-Prüfung gewappnet.

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Robert Rzeszut

Robert Rzeszut

Partner | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6620 | E-Mail senden

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