Latente Steuern – Neue AFRAC Stellungnahme

Die AFRAC-Stellungnahme „Latente Steuern im Jahresabschluss“ befasst sich mit Zweifelsfragen im Zusammenhang mit der Bilanzierung latenter Steuern im Jahresabschluss nach dem UGB idF des RÄG 2014 einschließlich die Behandlung von Einzelfragen zu Ertragsteuern in Zusammenhang mit der Gruppenbesteuerung. Zu den latenten Steuern und RÄG 2014 siehe auch Tax-News Beitrag vom 7.10.2015, zu der mit dem APRÄG 2016 modifizierten Übergangsregelung siehe Tax-News Beitrag vom 11.7.2016.

Aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge.

Es bestehen zwei Ansatzwahlrechte:

  1. Aktive latente Steuern können in dem Ausmaß angesetzt werden, in dem ausreichende passive latente Steuern vorhanden sind.
  2. Ein nach der Verrechnung mit passiven latenten Steuern verbleibender Restbetrag darf aktiviert werden, soweit substanzielle Hinweise vorliegen, dass ein ausreichendes zu versteuerndes Ergebnis in der Zukunft vorliegen wird.

Bei Ausübung der Ansatzwahlrechte ist das Stetigkeitsgebot zu beachten. Unter „substanzielle Hinweise“ versteht das AFRAC eine aus der Unternehmensplanung abgeleitete Steuerplanungsrechnung, aus der hervorgeht, inwieweit eine künftige tatsächliche Verwertung der Verlustvorträge zu erwarten ist. Auf spezifische Umstände des Einzelfalls ist Rücksicht zu nehmen (zB Planungszeitraums, historische Prognosequalität, usw).

Ausnahmen.

  • Auf den erstmaligen Ansatz eines Geschäfts(Firmenwertes) ist keine latente Steuer zu bilden (§ 198 Abs 10 Z 1 UGB). Die Ausnahme gilt ausdrücklich nicht für die Folgebewertung (zB unterschiedliche Nutzungsdauern).
  • Keine Bilanzierung latenter Steuern aus erfolgsneutral entstandenen Differenzen, sofern diese nicht im Zuge einer Umgründung iSd § 202 Abs 2 UGB oder einer Übernahme eines Betriebes iSd § 203 Abs 5 UGB entstanden sind (§ 198 Abs 10 Z 2 UGB). Die Ausnahmebestimmung ist komplex und die Erläuterung des AFRAC umfangreich, weshalb insbesondere in Hinblick auf Umgründungen ehestmöglich abgeklärt werden sollte, ob aus derartigen Vorgängen resultierende latente Steuern anzusetzen sind oder nicht.
  • Keine latenten Steuern sind auf temporäre Differenzen in Verbindung mit Anteilen an Tochterunternehmen, an Gemeinschaftsunternehmen und an assoziierten Unternehmen zu bilden, sofern das beteiligte Unternehmen die Auflösung der temporären Differenz steuern kann und es wahrscheinlich ist, dass sich die temporäre Differenz in absehbarer Zeit nicht auflösen wird (§ 198 Abs 10 Z 3 UGB). Nach Ansicht des AFRAC können auch Beteiligungen iSd § 189a Z 2 UGB unter die Ausnahmebestimmung fallen.

Sonstiges.

In der AFRAC-Stellungnahme werden noch die Bewertung, der Ausweis der Steuerabgrenzung und die Anhangangaben erläutert. Weiters werden Aussagen zu folgenden Themen getroffen:

  • Latente Steuern bei Personengesellschaften
  • Latente Steuern im Rahmen der Gruppenbesteuerung iSd § 9 KStG
  • Latente Steuern bei Umgründungen iSd § 202 Abs 2 UGB
  • Sonderfragen bei Kreditinstituten und Versicherungen
  • Übergangsbestimmungen

Conclusio.

Die umfangreiche AFRAC-Stellungnahme behandelt zahlreche Zweifelsfragen im Zusammenhang mit latenten Steuern und RÄG 2014. Da viele Unternehmen für das Geschäftsjahr 2016 erstmals latente Steuern bilanzieren müssen (nur für kleine Kapitalgesellschaften iSd § 221 UGB besteht ein Ansatzwahlrecht, dessen Ausübung/Nicht-Ausübung jedoch dem Stetigkeitsgrundsatz unterliegt), sollte rechtzeitig damit begonnen werden, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

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Karl Stückler

Karl Stückler

Senior | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 7222
Mail: kstueckler@deloitte.at

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