Antragslose Arbeitnehmerveranlagung erstmals für 2016

Bei der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung wird ohne Abgabe einer Steuererklärung (von Amts wegen) eine Steuerveranlagung durchgeführt. Sie betrifft nur Fälle, in denen lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen wurden und bei denen die beim Finanzamt vorhandenen Daten (insbesondere aus Lohnzetteln) zu einer Steuergutschrift führen, zB bei Arbeitsbeginn, schwankenden Bezügen, etc. Auch die ab 2017 vorgesehene automatische Übermittlung von Sonderausgaben für Kirchenbeiträge, Spenden und Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten kann in Zukunft zu einer antragslosen Veranlagung führen. Somit sollen Arbeitnehmer und Pensionisten leichter zu einer Steuererstattung kommen.

Voraussetzungen.

Eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung kann erfolgen, wenn

  • bis zum 30. Juni des Folgejahres keine Arbeitnehmerveranlagung eingereicht wurde,
  • aus der Aktenlage anzunehmen ist, dass nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen worden sind,
  • die Veranlagung zu einer Steuergutschrift führt und
  • aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen ist, dass auch noch Werbungskosten, von der automatischen Datenübermittlung nicht erfasste Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder antragsgebundene Freibeträge (Kinderfreibetrag) oder Absetzbeträge (zB Unterhaltsabsetzbetrag, Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag) geltend gemacht werden.

Es werden daher im Folgejahr zunächst nur solche Fälle für eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung ausgewählt, bei denen anzunehmen ist, dass die Steuergutschrift auch tatsächlich in der vorausberechneten Höhe verbleibt. Daher wird insbesondere zunächst keine antragslose Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt, wenn in einem der beiden Vorjahre Werbungskosten, eine außergewöhnliche Belastungen oder noch andere Einkünfte berücksichtigt worden sind.

Sollte nach Ablauf von zwei Jahren nach dem Veranlagungszeitraum noch keine Steuerveranlagung erfolgt sein, wird jedoch im Fall einer Steuergutschrift jedenfalls eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt. Das wäre also zB der Fall, wenn bis zum 31.12.2018 noch keine Steuerveranlagung für 2016 erfolgt ist.

Berücksichtigung weiter Abzugsposten.

Ist man mit dem Bescheid aus der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung nicht einverstanden, weil weitere Abzugsposten (zB Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen) geltend gemacht werden sollen, kann innerhalb von fünf Jahren nach Ablauf des betreffenden Veranlagungsjahres eine Steuererklärung (Arbeitnehmerveranlagung L1) eingereicht werden. Das Finanzamt hebt dann den Bescheid aus der antragslosen Veranlagung auf und entscheidet unter Berücksichtigung der neuen Erklärung.

Weitere veranlagungspflichtige Einkünfte.

Wurde eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt, obwohl weitere veranlagungspflichtige Einkünfte (zB erstmalige Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) erzielt werden, besteht weiterhin die Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung (E1). Das Finanzamt hebt dann den Bescheid aus der antragslosen Veranlagung auf und entscheidet unter Berücksichtigung der eingereichten Einkommensteuererklärung.

Fazit.

Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung kommt erstmalig für das Veranlagungsjahr 2016 zur Anwendung. Die Steuererklärungs-pflicht bleibt auch nach Vornahme der Veranlagung aufrecht. Die Möglichkeit einer Antragsveranlagung bleibt davon unberührt. Wird innerhalb von fünf Jahren nach Ende des Veranlagungszeitraums eine Abgabenerklärung eingereicht, hat das Finanzamt die antragslose Veranlagung aufzuheben und unter Berücksichtigung der eingereichten Erklärung neu zu entscheiden.

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Stephan Karigl

Stephan Karigl

Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6850 | E-Mail senden

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