VwGH: Absetzbarkeit von Eventmarketing

Der VwGH hat kürzlich zur steuerlichen Absetzbarkeit von Aufwendungen für professionelles Eventmarketing Stellung genommen. Er bekräftigt damit die bisherige Rechtsprechung, wonach Marketingaufwendungen für professionell ausgerichtete Events grundsätzlich als Betriebsausgabe anerkannt werden, auch wenn diese einen gewissen Unterhaltungscharakter bzw Nähe zur Privatsphäre aufweisen.

Sachverhalt.

Ein im Bereich des Vertriebs von Telekommunikationslösungen tätiger Einzelunternehmer lud Kunden und Dienstnehmer zur Teilnahme an einer Rennveranstaltung für Hobbyfahrer mit Teilnehmern aus der Wirtschaft und prominenten Persönlichkeiten ein. Das Hobbyrennen wurde von einer professionellen Event-Agentur veranstaltet und den Teilnehmern die Möglichkeit eingeräumt, auf den Fahrzeugen, der Bekleidung und den Rückwänden der Box Werbebotschaften bzw das Logo ihres Unternehmens anzubringen. Bei der Veranstaltung kam zusätzlich ein vom Einzelunternehmer zur Verfügung gestelltes Rennstandinformationssystem zum Einsatz, bei dem die Teilnehmer und die Zuschauer telefonisch die aktuelle Rennposition der Teams bzw Fahrer mit Hilfe eines Spracherkennungssystems abfragen konnten. Am Veranstaltungsgelände wurden zusätzlich Flyer mit dem Logo des Einzelunternehmers und den Einwahlnummern verteilt und zusätzlich auch ein SMS-Nachrichtensystem eingesetzt, mit dem die Teilnehmer und Zuschauer laufend Informationen über die Veranstaltung erhalten konnten.

Im Zuge einer Betriebsprüfung wurden vom Finanzamt und später vom BFG die Aufwendungen für die Einladung der Kunden nicht anerkannt. Begründet wurde dies mit der repräsentativen Mitveranlassung der Veranstaltung und der Nähe zur außerbetrieblichen Sphäre.

Erkenntnis des VwGH.

Der VwGH führt in seinem Erkenntnis Ra 2015/15/0010 vom 23.11.2016 aus, dass das grundsätzlich bestehende Abzugsverbot für Repräsentationsaufwendungen dann nicht zur Anwendung kommt, wenn der Steuerpflichtige nachweist, dass die Aufwendungen Werbezwecken dienen und ein erhebliches Überwiegen der betrieblichen bzw beruflichen Veranlassung vorliegt. Im vorliegenden Fall ist nicht erkennbar, dass für die Aufwendungen an der Teilnahme am Rennen eine private Veranlassung vorliegt. Vielmehr beruhen diese Aufwendungen auf einem Marketingkonzept, bei dem sich die Teilnahme an erlebnisorientierten Veranstaltungen als wirksame Methode herauskristallisiert hat, um eine relevante Zielgruppe effektiv zu erreichen. Die im Rahmen des Rennens eingesetzte Präsentation des Renninformationssystems ist auch als Produkt- und Leistungsinformation und somit eindeutig als Werbeaufwand anzusehen. Die Einbettung in ein (festliches) Rahmenprogramm steht dem Werbecharakter einer solchen Veranstaltung ebenso nicht entgegen. Auch die Tatsache, dass nur ein kleiner Teil der Kunden des Einzelunternehmers am Rennen teilnehmen konnten (etwa 20 teilnehmende Kunden bei durchschnittlich 200 Kunden pro Jahr) ändert nichts am Werbecharakter der Aufwendungen und an deren betrieblichen Veranlassung.

Fazit.

Das Erkenntnis des VwGH ist jedenfalls zu begrüßen und stellt eine weitere Liberalisierung im Bereich der Absetzbarkeit von Werbeaufwendungen dar. Voraussetzung ist jedoch, dass den Aufwendungen ein professionelles Marketingkonzept zugrunde liegt und es darüber hinaus auch zu einer Produkt- und Leistungsinformation des Unternehmens kommt.

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Christoph Hofer

Christoph Hofer

Senior Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6913
Mail: chhofer@deloitte.at

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