Verrechnungspreise: Profit Split auf dem Vormarsch?

Die Profit Split Methode zeichnet sich durch einen hohen Grad an Flexibilität aus, weil sie an die individuellen Verhältnisse des Unternehmens angepasst werden kann. Obwohl die Methode recht dokumentationsintensiv ist und die Anwendung in der Praxis oftmals komplexe Fragen aufwirft, scheint sie sich in Zukunft auch in Österreich verstärkt durchzusetzen.

Hintergrund.

Die transaktionsbezogene Gewinnaufteilungsmethode (Profit Split Methode) ist eine der fünf Verrechnungspreismethoden der OECD, um die Fremdüblichkeit konzerninterner Geschäftsvorfälle festzustellen. Bei dieser Methode wird der Gewinn (oder Verlust) aus einem Geschäftsvorfall zwischen den daran beteiligten verbundenen Unternehmen so aufgeteilt, wie es auch fremde dritte Unternehmen unter vergleichbaren Umständen vereinbart hätten. Der Profit Split Methode kommt unter den OECD Verrechnungspreismethoden eine gewisse Sonderstellung zu, da sie die einzige zweiseitige Methode ist. Während bei den einseitigen Methoden grundsätzlich nur Ergebnisse eines Unternehmens (der sog tested party) auf Vergleichbarkeit analysiert werden, erfordert die Anwendung einer zweiseitigen Methode detaillierte Informationen zu beiden bzw allen an der Transaktion beteiligten Unternehmen.

Für die Aufteilung der Gewinne sieht die OECD im Wesentlichen zwei Ansätze vor: Zum einem die Beitragsanalyse (contribution analysis), bei welcher der Gesamtgewinn/-verlust zwischen den verbundenen Unternehmen aufgrund ihrer geleisteten Beiträge aufgeteilt wird; zum anderen die Restgewinnanalyse (residual analysis), welche in ihrem zweistufigen Verfahren zunächst die geleisteten Routinefunktionen entsprechend vergütet und erst dann den verbleibenden Restgewinn/-verlust den gegebenen Umständen entsprechend aufteilt.

Die Gewinnaufteilungsmethode bietet sich in jenen Fällen als die am besten geeignete Methode an, in denen beide Parteien der Transaktion „einzigartige und wertvolle Beiträge“ (unique and valuable contributions) zum Geschäftsvorfall leisten – in der Praxis wohl oft in Form von immateriellen Wirtschaftsgütern – und somit beide Parteien die Funktionen eines Entrepreneurs ausüben.

Base Erosion and Profit Shifting.

Auch im OECD BEPS Projekt spielt der Profit Split eine nicht unwesentliche Rolle. Der aktuellste Diskussionsentwurf zur Anwendung des Profit Splits stellt klar, dass die Profit Split Methode nicht automatisch verwendet werden sollte, wenn die anderen Verrechnungspreismethoden nicht anwendbar sind bzw wenn keine Vergleichbarkeitsdaten vorhanden sind. Vielmehr sollte die Profit Split Methode dann zur Anwendung kommen, wenn beide oder alle Parteien wirtschaftlich signifikante Risiken iZm der Transaktion tragen.

Praxis.

Wie funktioniert nun die Anwendung der Profit Split Methode in der Praxis? Bei der Restgewinnanalyse (Residual Profit Split) erfolgt in einem ersten Schritt eine Analyse der Wertschöpfungskette und Identifizierung der Routinefunktionen, welche entsprechend vergütet werden. Als nächstes werden die „einzigartigen und wertvollen Beiträge“ zum Geschäftsvorfall identifiziert, welche für gewöhnlich wertvolle immaterielle Wirtschaftsgüter wie Marken, Know-How oder Patente umfassen. In einem weiteren Schritt müssen die Beiträge bewertet werden, was in der Praxis oft die größten Schwierigkeiten iZm der Profit Split Methode darstellt. Anhand der bewerteten Beiträge der einzelnen Parteien kann schließlich ein Aufteilungsschlüssel errechnet werden, nach dem ein aus dem Geschäftsvorfall resultierender Gewinn oder Verlust zwischen den Parteien aufgeteilt wird.

Ausblick.

Während die Profit Split Methode aufgrund der aufwendigen und komplexen Anwendung bisher in der Praxis eher selten für eine Angemessenheitsanalyse herangezogen wird, scheinen Finanzverwaltungen das Thema nun sowohl im Zuge von Betriebsprüfungen als auch iZm bilateralen Verständigungsverfahren verstärkt aufzugreifen. Grund dafür dürfte wohl auch das OECD BEPS Projekt sein, welches auf eine Besteuerung der Gewinne in jenen Ländern abzielt, in denen die Wertschöpfung erfolgt. In Zukunft könnte es auch für österreichische Unternehmen schwieriger werden, sich als reine Routineunternehmen darzustellen und aufgrund der vermeintlich geringen Wertschöpfung ihre Ergebnisse mittels TNMM (transaktionsbezogenen Nettomargenmethode) zu testen.

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Theresa Koch

Theresa Koch

Assistant | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 6217 | E-Mail senden

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