Kann ein künstlerischer Leiter ein Künstler iSd DBA sein?

Abzugsteuer. Treten österreichische Künstler in Deutschland auf, so ist grundsätzlich auf deren Honorar nach deutschem Recht Einkommensteuer im Abzugswege einzubehalten. Die deutsche Abzugsteuer beträgt 15% der Einnahmen (Bruttoabzugsteuer), wobei jedoch die Möglichkeit besteht in unmittelbarem wirtschaftlichem Zusammenhang stehende Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzuziehen. In diesem Fall beträgt die Abzugsteuer 30% (Nettoabzugsteuer).

Zwischenstaatliches Steuerrecht.

Neben den nationalen Bestimmungen gilt es auch zu beachten, ob zwischen dem Wohnsitzstaat des Künstlers und dem Tätigkeitsstaat ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) besteht. In jenen Fällen, in denen das Abkommen eine Klausel für Künstler (und Mitwirkende an Unterhaltungsdarbietungen) enthält, die
Art 17 des Musterabkommens der OECD (OECD-MA) entspricht, darf der Tätigkeitsstaat auch nach zwischenstaatlichem Recht Steuern einheben. Fällt die Tätigkeit nicht unter diesen Artikel, so darf der Tätigkeitsstaat die betreffenden Einkünfte nicht besteuern, außer es liegt eine inländische Betriebstätte vor.

Begriffsdefinition.

Das OECD-MA enthält keine Definition des Künstlerbegriffs und den Erläuterungen dazu sind lediglich Beispiele zu entnehmen. Entsprechend den einschlägigen Ausführungen des OECD-MA-Kommentars ist Art 17 nicht für Personen mit verwaltungsmäßiger oder unterstützender Funktion (zB Produzenten, Filmregisseure, Choreographen) anwendbar. Ebenso liegen Einkünfte für das Arrangieren des Auftritts eines Künstlers außerhalb des Anwendungsbereichs des Art 17.

Künstlerischer Leiter als Künstler?

Wird daher eine in Österreich ansässige natürliche Person als künstlerischer Leiter der „Musiktage“ einer deutschen Stadt tätig, wobei deren Aufgaben insbesondere die Planung des Veranstaltungsprogramms, die Auswahl von Künstlern sowie die Konzeption von Publikationen, medialen Auftritten und der grafischen Präsentation der „Musiktage“ umfassen, ist die Verteilungsnorm für „Künstler“ iSd Art 17 DBA Deutschland nach Ansicht der österreichischen Finanzverwaltung nicht anwendbar. Einkünfte bloß „hinter der Bühne“ tätiger Personen sind hier nämlich nicht erfasst. In diesem Sinne lässt sich im Fall des künstlerischen Leiters der „Musiktage“ die Besteuerung am Tätigkeitsort – hier in Deutschland – nicht auf Art 17 DBA Deutschland stützen. Für die Einordnung als Künstler iSd Art 17 OECD-MA sind die „Merkmale der Gesamttätigkeit der betreffenden Person“ gegeneinander abzuwägen. Somit vermag der Umstand, dass der künstlerische Leiter die Präsentation des Veranstaltungsprogramms bei medialen Auftritten sowie allgemeine Repräsentationspflichten erfüllt, während der „Musiktage“ persönlich anwesend ist sowie als Moderator während der „Musiktage“ präsent ist, nichts daran zu ändern, dass insgesamt keine künstlerische Tätigkeit iSd Art 17 OECD-MA vorliegt. Ferner ist eine bloß berichtende oder kommentierende Tätigkeit über ein Event, bei der die betreffende Person selbst keine aktive Rolle einnimmt, nicht unter Art 17 zu subsumieren.

Vermeidung einer Doppelbesteuerung.

Sollte die Besteuerung des künstlerischen Leiters in Österreich eine Doppelbesteuerung seiner Einkünfte im Verhältnis zu Deutschland auslösen, stünde zur Lösung dieses Besteuerungskonflikts das Verständigungsverfahren nach Art 25 DBA Deutschland zur Verfügung.

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Barbara Behrendt-Krüglstein

Barbara Behrendt-Krüglstein

Manager | Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 7112
Mail: bbehrendt-krueglstein@deloitte.at

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