VwGH: Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten

Der VwGH hat in zwei kürzlich ergangenen Entscheidungen zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten Stellung genommen. Er stellt darin klar, dass Aufwendungen für Umschulungsmaßnahmen bei nachweisbarer, konkreter Absicht auf künftige Einnahmenerzielung auch dann abzugsfähig sind, wenn die tatsächliche Ausübung eines neuen Berufs fehlschlägt. Das Aufgeben der bisherigen Tätigkeit des Steuerpflichtigen ist dabei für die Abzugsfähigkeit keine Voraussetzung und Kosten für eine erwerbsorientierte Umschulung können auch steuerlich berücksichtigt werden, wenn ein Berufswechsel nicht gelingt.

Sachverhalt.

In der jüngeren der beiden Entscheidungen machte eine Hauptschullehrerin für Ernährung, Sport sowie gestalterische Fächer unter anderem Ausgaben für das Studium der Rechtswissenschaften als Werbungskosten geltend. Während das Finanzamt die Ausgaben aufgrund fehlenden Nachweises nur teilweise anerkannte, versagte das BFG im Rechtsmittelverfahren die Abzugsfähigkeit vollständig. Begründend führte das BFG dazu aus, dass die Lehrerin mit Hilfe des Studiums zwar einen höheren Dienst im Schulwesen erlangen wollte, zeitnah aber keine Änderung ihrer beruflichen Verwendung eintrat und sie weiterhin unterrichtend tätig blieb.

In der zweiten Entscheidung absolvierte ein Steuerpflichtiger eine mehrjährige Umschulung zum Berufspiloten, wobei ua Aufwendungen für die Berufspilotenlizenz, Bewerbungskosten und Aufwendungen für sog Typeratings für größere Flugzeuge geltend gemacht wurden. In der Folge bewarb er sich erfolglos bei insgesamt elf Fluggesellschaften. Das Finanzamt sowie in weiterer Folge das BFG versagte die Abzugsfähigkeit dieser Umschulungskosten und bezweifelte, ob trotz der tatsächlich erfolgten Bewerbungen jemals Einkünfte als Pilot vorliegen werden.

Erkenntnisse des VwGH.

Der VwGH führt in seinen beiden Erkenntnissen Ra 2016/15/0065 vom 28.6.2017 zum Studium der Rechtswissenschaften sowie Ra 2015/15/0069 vom 27.4.2017 zur Berufspilotenausbildung aus, dass die Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten keinesfalls darauf begrenzt ist, dass der Steuerpflichtige seine bisherige Tätigkeit aufgeben oder wesentlich einschränken muss. Den beiden Erkenntnissen zufolge sind Umschulungsmaßnahmen grundsätzlich auch dann steuerlich abzugsfähig, wenn zwar keine tatsächliche Ausübung eines neuen Berufes erfolgt, jedoch ein konkreter Zusammenhang der Bildungsmaßnahme mit geplanten nachfolgenden Einnahmen besteht. Ein tatsächlicher Berufswechsel muss daher zwar nicht gelingen, trotzdem muss aber lt VwGH mehr als eine allgemeine Absichtserklärung zur zukünftigen Einnahmenerzielung vorliegen. Ob dieser Wille des Steuerpflichtigen auf Verschaffung einer neuen Einkunftsquelle in ausreichendem Ausmaß vorhanden ist, muss einzelfallbezogen anhand objektiver Kriterien nach dem Gesamtbild der Verhältnisse beurteilt werden. Der Anerkennung der Aufwendungen als Werbungskosten bzw Betriebsausgaben steht das Misslingen im angestrebten Beruf Fuß zu fassen grundsätzlich nicht entgegen.

Fazit.

Die beiden Erkenntnisse des VwGH sind jedenfalls begrüßenswert und bestätigen seine bisherige großzügige Judikatur zur Abzugsfähigkeit von Umschulungskosten. Demnach ist ein Abstellen auf einen tatsächlichen Berufswechsel nicht zweckmäßig, da keine Ausbildung eine Garantie bietet, in einem vorher festgelegten Bereich beruflich tätig werden zu können. Allerdings wird auch klargestellt, dass eine steuerlich abzugsfähige Umschulung klar von der Privatsphäre abgegrenzt und durch eine potenzielle Einkünfteerzielung veranlasst sein muss.

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Gregor Binder

Gregor Binder

Assistant | Deloitte Tax
Telefon: +43 1537 00 6910
Mail: gbinder@deloitte.at

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