Sachbezug als Werbungskosten bei Familienheimfahrten mit Firmenfahrzeug

Das BFG hatte zu entscheiden, ob ein  Dienstnehmer, der die Voraussetzungen einer steuerlich anzuerkennenden doppelten Haushaltsführung erfüllt, zusätzlich Familienheimfahrten als Werbungskosten geltend machen kann (vgl BFG 21.7.2017, RV/2101365/2016).

Sachverhalt.

Im streitgegenständlichen Fall war der Beschwerdeführer (Bf) Dienstnehmer und gewerberechtlicher Geschäftsführer einer in Österreich ansässigen GmbH. Zu diesem Zweck verfügte der  Bf in Österreich über einen Zweitwohnsitz in der Nähe seiner Arbeitsstätte. Dem Bf wurde von seinem Arbeitgeber ein firmeneigenes Kraftfahrzeug (Firmenwagen) zur Verfügung gestellt. Der Bf fuhr mehrmals im Monat von seinem Zweitwohnsitz zu seinem Familienwohnsitz in Deutschland, wo auch seine Frau mit den gemeinsamen Kindern lebte. Diese Privatfahrten betrugen ca 418 km pro Strecke. die zusätzlich (privat) zurückgelegten Strecken zwischen Zweitwohnsitz und Arbeitsstäte im Ausmaß von ca 312 km pro Monat errechnete sich eine private Nutzung von über 500 km pro Monat, weshalb für die Privatnutzung des Firmenwagens zur Bewertung des lohnwerten Vorteils der höchste Sachbezug laut Sachbezugswerteverordnung angesetzt wurde. Der Beschwerdeführer beantragte die Arbeitnehmerveranlagung und machte darin ua die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung und für Familienheimfahrten geltend. Das Finanzamt forderte als Nachweis für die durchgeführten Familienheimfahrten ein Fahrtenbuch des Bf.

Familienheimfahrten als Werbungskosten.

Gemäß § 20 Abs 1 Z 2 lit e EStG sind nicht abzugsfähig Kosten der Fahrten zwischen Wohnsitz am Arbeits(Tätigkeits)ort und Familienwohnsitz („Familienheimfahrten“) soweit sie den auf die Dauer der auswärtigen (Berufs)tätigkeit bezogenen höchsten im § 16 Abs 1 Z 6 lit d EStG angeführten Betrag übersteigen, dh im gegenständlichen Fall EUR 3.672. Aufwendungen für Familienheimfahrten des Arbeitnehmers von dem am Arbeitsort gelegenen Wohnsitz zum Familienwohnsitz sind unter jenen Voraussetzungen Werbungskosten, unter denen eine doppelte Haushaltsführung als beruflich veranlasst gilt. Im vorliegenden Fall war strittig, ob die Familienheimfahrten zusätzlich zu den iZm der doppelten Haushaltsführung geltend gemachten Aufwendungen als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Voraussetzung für die Absetzbarkeit der Kosten iZm Familienheimfahrten und einem vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten PKW ist, dass dem Steuerpflichtigen auch tatsächlich Kosten iZm dem Firmenwagen anfallen. Dies war im Konkreten auch der Fall, denn dem Bf fielen Kosten iZm den Familienheimfahrten dahingehend an, als nur durch diese der höchste Sachbezug angesetzt wurde.

Glaubhaftmachung genügt.

Anders als es in der Sachbezugswerteverordnung geregelt ist, wonach als Nachweis regelmäßig ein Fahrtenbuch verlangt wird, genügt bei den Werbungskosten auch eine Glaubhaftmachung. Ein vermuteter Sachverhalt ist glaubhaft gemacht, wenn die Umstände des Einzelfalles dafür sprechen, der vermutete Sachverhalt habe von allen anderen denkbaren Möglichkeiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Im streitgegenständlichen Fall gab der Bf an, im Hinblick auf die bisher unbeanstandete Berücksichtigung der Kosten für Familienheimfahrten als Werbungskosten kein Fahrtenbuch geführt zu haben. Gegenständlich lagen als Beweismittel eine unbedenkliche Bestätigung des Arbeitgebers und eine überblicksweise Aufstellung des Bf über die durchgeführten Fahrten vor. Lt BFG entspricht es durchaus den allgemeinen Lebenserfahrungen, dass ein Verheirateter mit zwei kleinen Kindern (das zweite wurde im Veranlagungsjahr geboren), der sich zur Ausübung seiner Berufstätigkeit an einem weiter entfernten Ort aufhält, regelmäßig an den Wochenenden zu seinem Familienwohnsitz zurückkehrt. Unter diesen familiären Umständen wurde die Anzahl der privaten Familienheimfahrten für glaubhaft gehalten.

Fazit:

Kosten iZm Familienheimfahrten können grundsätzlich als Werbungskosten geltend gemacht werden, sofern dem Steuerpflichtigen durch die Familienheimfahrten auch tatsächlich zusätzliche Kosten anfallen. Bei Zurverfügungstellung eines Firmenwagens können Kosten bspw daraus resultieren, dass nur durch die Familienheimfahrten anstatt des halben Sachbezuges der volle Sachbezug angesetzt wird. Den Nachweis der durchgeführten Familienheimfahrten muss nicht zwingend ein Fahrtenbuch erbringen, vielmehr können diese auch mittels sonstiger Aufzeichnungen und Bestätigungen durch den Arbeitgeber vom Steuerpflichtigen glaubhaft gemacht werden.

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Christoph Straubinger

Christoph Straubinger

Assistant| Deloitte Tax
Telefon: +43 1 537 00 6182
Mail: cstraubinger@deloitte.at

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