Checkliste Arbeitnehmerveranlagung 2017

Arbeitnehmer sind in der Regel nicht verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Durch eine Arbeitnehmerveranlagung kann jedoch oft viel Geld vom Fiskus zurückgeholt werden. Insbesondere in den folgenden Fällen kann mit einer Gutschrift aus der Arbeitnehmerveranlagung gerechnet werden:

  • steuerlich absetzbare Ausgaben, wie zB Sonderausgaben, Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen
  • schwankende Gehaltsbezüge ohne Aufrollung durch den Arbeitgeber
  • Arbeitgeberwechsel oder nicht ganzjährige Beschäftigung
  • Verluste oder Verlustvortrag aus anderen Einkunftsarten

Eine Pflichtarbeitnehmerveranlagung bis 30. September des Folgejahres ist zB einzureichen, wenn andere Einkünfte über EUR 730 bezogen wurden, gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte vorlagen oder ein Freibetragsbescheid berücksichtigt wurde.

Antragslose Arbeitnehmerveranlagung.

Das bedeutet, dass ohne Abgabe einer Steuererklärung (in Papierform oder via FinanzOnline) automatisch eine Arbeitnehmerveranlagung von Seiten der Finanzverwaltung vorgenommen wird. Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung kommt nur zur Anwendung, wenn bis 30. Juni des Folgejahres keine Steuererklärung eingebracht wurde und aus der dem Finanzamt bekannten Datenlage eine Steuergutschrift resultiert. Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung wurde erstmals für das Veranlagungsjahr 2016 durchgeführt.  Stellen Sie nach der automatischen Veranlagung fest, dass Sie zusätzliche Abzugsposten (zB Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen) geltend machen wollen, können Sie Ihre Veranlagung durch Einreichen einer Arbeitnehmerveranlagung richtig stellen; dafür haben Sie fünf Jahre Zeit.

Neuregelungen 2017 im Überblick.

Ab dem Jahr 2017 werden insbesondere die folgenden Sonderausgaben im Rahmen eines automatischen Datenaustausches berücksichtigt und nicht mehr wie bisher durch Eintragung in der Steuererklärung:

  • Beiträge an Kirchen und Religionsgesellschaften
  • Spenden
  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten.

Diese Beträge müssen nicht mehr selbst in der Steuererklärung angegeben werden, sondern werden vom Finanzamt automatisch berücksichtigt.

Folgende Positionen können ua in der Arbeitnehmerveranlagung 2017 geltend gemacht werden:

Absetzbeträge:

  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag (EUR 494 bei einem Kind; EUR 669 bei zwei Kindern, zusätzlich EUR 220 für jedes weitere Kind)
  • Kinderfreibetrag (EUR 440 bei Inanspruchnahme durch einen Elternteil; EUR 300 bei Inanspruchnahme durch beide Elternteile)
  • Kinderabsetzbetrag (EUR 58,40/Monat/Kind)
  • Unterhaltsabsetzbetrag (EUR 29,20 für das erste Kind, EUR 43,80 für das zweite Kind und für jedes weitere Kind EUR 58,40/Monat/Kind)
  • Bei Elternteilen, denen der Unterhaltsabsetzbetrag oder der Alleinerzieherabsetzbetrag zusteht, wird der Kinderfreibetrag von EUR 300 automatisch berücksichtigt. In jenen Fällen, in denen einem Elternteil kein Kinderfreibetrag aufgrund des Unterhaltsabsetzbetrages zusteht, kann vom alleinerziehenden Elternteil ein Kinderfreibetrag von EUR 440 beantragt werden.
  • Verkehrsabsetzbetrag: wird automatisch vom Arbeitgeber berücksichtigt (EUR 400; bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale und einem steuerpflichtigen Einkommen weniger als EUR 12.200 erhöht sich der Verkehrsabsetzbetrag auf EUR 690)
  • Pensionistenabsetzbetrag: wird automatisch von der pensionsauszahlenden Stelle berücksichtigt (EUR 400; vermindert sich gleichmäßig einschleifend auf null bei jährlichen Pensionseinkünften zwischen EUR 17.000 und EUR 25.000; der erhöhte Absetzbetrag von EUR 764 kann unter folgenden Voraussetzungen geltend gemacht werden:
    • Steuerpflichtiger ist mind sechs Monate im Kalenderjahr verheiratet / eingetragener Partner und nicht dauerhaft getrennt lebend;
    • Ehepartner oder eingetragene Partner erzielt Einkünfte von unter EUR 2.200;
    • es besteht kein Anspruch auf den Alleinverdienerabsetzbetrag;
    • die Einschleifung beginnt hier bei Einkünften ab EUR 19.930.

Sonderausgaben

  • Steuerberaterkosten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Renten und dauernde Lasten (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Spenden an begünstigte Institutionen (bis zu 10% der Einkünfte des laufenden Jahres). Eine Liste der begünstigten Spendenempfänger ist auf der Website des BMF abrufbar.

Folgende Sonderausgaben können auch dann geltend gemacht werden, wenn sie für den Ehepartner oder für Kinder (grundsätzlich jene Kinder, für die Familienbeihilfe bezogen wird) geleistet wurden:

  • Verpflichtende Beiträge zu Kirchen und Religionsgesellschaften (bis EUR 400)
  • Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung (unbegrenzt abzugsfähig)
  • Prämien für freiwillige Personenversicherungen, wenn der zugrundeliegende Vertrag vor dem 1.1.2016 abgeschlossen worden ist (begrenzt mit Einschleifung)
  • Kosten für Wohnraumschaffung und -sanierung, wenn mit der tatsächlichen Bauausführung oder Sanierung vor dem 1.1.2016 begonnen worden ist (begrenzt mit Einschleifung)

Werbungskosten

  • Pendlerpauschale und Pendlereuro, soweit noch nicht durch den Arbeitgeber berücksichtigt. Die Pendlerpauschale beträgt gestaffelt nach Arbeitsweg bis zu EUR 2.016, wenn die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zumutbar ist, sonst bis zu EUR 3.672. Mit der Pendlerpauschale steht auch ein Pendlereuro zu; dieser beträgt jährlich zwei Euro pro Kilometer der einfachen Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Seit 2014 muss anhand des Pendlerrechners auf der Homepage des BMF (https://www.bmf.gv.at/pendlerrechner/) ermittelt werden, ob eine Pendlerpauschale inkl Pendlereuro zusteht. Der Ausdruck aus dem Pendlerrechner ist entweder beim Arbeitgeber abzugeben oder für die Einkommensteuerveranlagung des jeweiligen Jahres aufzubewahren.
  • Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen (unbegrenzt)
  • Werbungskostenpauschale iHv EUR 132 (ohne Nachweis) wird bereits im Rahmen der Lohnverrechnung berücksichtigt; darüber hinaus können – soweit beruflich veranlasst – ua Arbeitskleidung, Arbeitsmittel, Betriebsratsumlage, Computer, Fachliteratur, Fortbildungs-, Ausbildungs- und Umschulungskosten, Internet, Kosten für doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten, Reisekosten sowie Telefon als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Außergewöhnliche Belastungen

  • Kinderbetreuungskosten (höchstens EUR 2.300 pro Kind bis zum 10. Lebensjahr bzw bei erhöhter Familienbeihilfe bis zum 16. Lebensjahr)
  • Kosten für die auswärtige Berufsausbildung von Kindern, wenn im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht (EUR 110/Monat)
  • Ohne Selbstbehalt abzugsfähig sind:
    • Kosten iZm eigener Behinderung, Behinderung des (Ehe-)Partners oder des Kindes
    • Kosten iZm der Beseitigung von Katastrophenschäden
  • Mit Selbstbehalt bis zu 12% abzugsfähig sind:
    • Krankheitskosten inkl Zahnersatz
    • Kosten iZm Kuraufenthalten
    • Kosten für Alters- und Pflegeheim
    • Begräbniskosten

SV-Rückerstattung.

Ergibt sich auf Grund der Absetzbeträge eine Einkommensteuer unter null, wird der Alleinverdienerabsetzbetrag oder der Alleinerzieherabsetzbetrag erstattet. Besteht Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag und ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 50 % der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber EUR 400 jährlich, rückerstattet, bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale beträgt die SV-Rückerstattung höchstens EUR 500.

Belege und Fristen.

Der Arbeitnehmerveranlagung sind keine Belege beizulegen, diese sind jedoch sieben Jahre aufzubewahren und auf Verlangen des Finanzamtes vorzulegen. Für die Arbeitnehmerveranlagung hat der Arbeitnehmer fünf Jahre Zeit, sodass sie für das Jahr 2013 noch bis 31.12.2018 eingereicht werden kann. Sollte sich aus der Arbeitnehmerveranlagung eine Steuernachzahlung ergeben, kann der Antrag – wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt –zurückgezogen werden.

Elektronische Abgabe.

Möchte man die Arbeitnehmerveranlagung online erledigen und hat noch keine Zugangsdaten zu Finanzonline, ist unter  https://finanzonline.bmf.gv.at/fon/ eine Online-Erstanmeldung vorzunehmen. Die Zugangskennungen werden per Post zugesandt. Sofern die persönliche Bankverbindung (IBAN und BIC) dem Finanzamt noch nicht bekannt ist, sollte diese ebenfalls in FinanzOnline angegeben werden.

Abgabe in Papierform.

Wird es bevorzugt, die Arbeitnehmerveranlagung in Papierform einzureichen, können die Formulare im InfoCenter des Finanzamtes abgeholt werden oder auf der Website des BMF (www.bmf.gv.at ) unter „Formulare“ schnell und einfach bestellt werden. Es sollte nicht vergessen werden, dass für jedes Kind das Formular L1k und bei Auslandseinkünften das Formular L1i mitbestellt werden muss. Das Formular ist im Original abzugeben, da Kopien maschinell nicht einlesbar sind.

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Nicol Schrammel

Nicole Schrammel

Assistant | Deloitte Tax Telefon: +431537007119 Mail: nschrammel@deloitte.at

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