Ergebnisse der Umfrage zum Thema Förderungen

Um festzustellen, inwieweit österreichische Unternehmen über die hiesige Förderlandschaft informiert sind und wie sie diese einschätzen, hat Deloitte im Juli 2018 eine Umfrage mit 226 Teilnehmern durchgeführt.

In welchen Bereichen sind Förderungen besonders attraktiv?

Die Ergebnisse zeigen: Förderungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern sowie Förderungen in Bezug auf Beschäftigung sind für Unternehmen am attraktivsten. So geben 66% an, dass sich ihr Unternehmen aktuell um Förderungen auf dem Gebiet Bildung und Beschäftigung bemüht, was sicherlich auch durch die momentane Hochkonjunktur am Arbeitsmarkt bedingt ist.

Laut Deloitte Umfrage sind „Forschung und Entwicklung“ (F&E; inklusive Grundlagenforschung und Innovation) der zweitwichtigste Bereich, in dem sich Unternehmen um Förderungen bemühen. 59% der befragten Personen geben an, Fördergelder im Bereich F&E bzw Innovation anzustreben. „Investitionen, Wachstum und Modernisierung“ sowie „Energie und Umwelt“ sind mit jeweils über 40% ebenfalls zentrale Bereiche für Förderungen.

Forschungsprämie: Einschätzung, Kenntnis, Unsicherheiten.

Das wichtigste Förderinstrument für Forschung und Entwicklung am Standort Österreich ist die Forschungsprämie, die seit Beginn 2018 auf 14% angehoben wurde und von Unternehmen jeder Größe beantragt werden kann. 58% der Befragten haben dies in der Vergangenheit bereits getan. Mit 89% gibt die Mehrheit derer – die die Forschungsprämie bereits beantragt haben – an, darüber Bescheid zu wissen, welche Aufwendungen in die Bemessungsgrundlage der Forschungsprämie einfließen. Doch nur 13% fühlen sich bei der Antragstellung „sehr sicher“, während sich ebenso viele „unsicher“ und „wenig sicher“ fühlen. 29% fühlen sich nur „mittelmäßig sicher“.

Hinsichtlich der Bedeutung der Forschungsprämie für ihre jeweiligen Unternehmen sind die Antworten der Teilnehmer gleichmäßig verteilt. Der Prozentsatz derer, die die Forschungsprämie (auch) in Zukunft beantragen wollen, liegt mit 54% sehr nahe an jenem Anteil, der diese bereits beantragt hat. Zudem gibt die überwältigende Mehrheit an, dass die F&E-Aufwendungen in ihrem Unternehmen in Zukunft gleich hoch bleiben (54%) oder steigen werden (40%). Ebenfalls 54% halten weitere Erhöhungen der Forschungsprämie für sinnvoll. Rund drei Viertel bewerten dieses Förderinstrument als mittelmäßig bis sehr effektiv. All dies spricht dafür, dass die Forschungsprämie auf viel positive Resonanz bei den Unternehmen stößt.

Erfahrung mit direkten Förderungen und der Förderlandschaft insgesamt.

Beinahe alle Befragten (84%) haben bereits Erfahrungen mit der Beantragung von direkten Förderungen gemacht und beinahe so viele (80%) planen auch, in Zukunft direkte Förderungen zu beantragen. Diesen wird auch eine hohe Relevanz zugesprochen – 57% schätzen sie als „(sehr) relevant“ für ihre jeweilige Branche ein, während nur knapp ein Viertel diese als wenig oder nicht relevant ansehen.

Gleichzeitig ist die Einschätzung der Transparenz des österreichischen Fördersystems in der Umfrage bescheiden ausgefallen. Etwa die Hälfte der Befragten hält es für „wenig transparent“ und „intransparent“, während es von 30% als „mittelmäßig transparent“ bezeichnet wird. Nur ein sehr kleiner Anteil (5%) hält das System für sehr transparent.

Das unternehmenseigene Wissen über bereichsrelevante Fördermöglichkeiten wird hingegen von den meisten durchaus positiv eingeschätzt. Die überwiegende Mehrheit (71%) hat zumindest einen mittelmäßigen Überblick über die für sie relevanten Förderungen, wenngleich ein ausgezeichneter Überblick nur von 8% der Befragten angegeben wird. Es gelingt den Unternehmen also zu einem gewissen Grad, den österreichischen „Förderdschungel“ im Hinblick auf die für sie relevanten Möglichkeiten zu durchforsten. Einen vollständigen Überblick haben aber dennoch die Wenigsten.

Regionale, nationale & EU-Förderungen.

Weniger Erfahrung haben die Befragten mit der Beantragung von EU-Förderungen. 60% derer, die bereits direkte Förderungen beantragt haben, geben an, dass ihr Betrieb sich noch nie um eine Förderung auf EU-Ebene bemüht hat. Regionale oder nationale Förderungen wurden hingegen bereits von 94% beantragt. Für diese gilt jedoch, dass sich deren Planbarkeit aufgrund kurzfristig kommunizierter Informationen (zB Fristen) schwierig gestalten kann. EU-Förderungen sind weiter im Voraus festgelegt und besser planbar, gleichzeitig sind aber Antragstellung und Abwicklung sehr aufwändig. Trotz der idR guten Dotierung und dem hohen Prestige von EU-Förderungen wirkt der hohe Aufwand immer wieder abschreckend auf Unternehmen, die keine eigene Funding-Abteilung haben.

Bevorzugte Art der Förderung.

Zuschüsse werden von den Befragten als zielführendste Art der Förderung betrachtet. Diese Kategorie liegt mit 90% weit vor den zweitplatzierten Darlehen (36%) und der drittplatzierten Haftung (29%). 26% der Befragten sehen auch Services, Beratung und Coaching als zielführende Unterstützung an. Tatsächlich sind Förderungen auf Zuschuss-Basis hart umkämpft und einige Unternehmen konzentrieren sich in ihren Bemühungen hauptsächlich darauf, obwohl viele weitere praktikable Möglichkeiten bestehen.

Wer nahm an der Umfrage teil?

Etwa die Hälfte (48%) der 226 Teilnehmer stammt aus Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitern, 21% respektive 31% aus Unternehmen mit weniger als 250 bzw weniger als 50 Mitarbeitern. Es nahmen Vertreter aus unterschiedlichsten Branchen teil, insbesondere aber aus den Bereichen Dienstleistungen (30%), Konsum- und Industrieprodukte (24%), Technologie, Medien und Kommunikation (12%) sowie Handel (12%) und Finanzdienstleistungen (11%).

Knapp die Hälfte der Befragten hält die Position CFO (17%) oder CEO (26%), andere sind in den Steuer-, Controlling-, Funding-, oder Fachabteilungen ihrer Unternehmen tätig. Der Hauptstandort der jeweiligen Unternehmen liegt mehrheitlich in Wien (42%), gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich (jeweils 13%). 45% geben an, auch Standorte im Ausland zu haben.

Fazit: Österreich als Forschungsstandort.

Die Umfrageteilnehmer bewerten Österreich als Forschungsstandort überwiegend positiv. Nur 13% finden den Standort in diesem Zusammenhang „un-“ bzw „wenig interessant“. Als kleines Land baut Österreich auf eine starke Förderstruktur, um Innovation und Expertise an den Standort zu binden. In der Umfrage wurde dies explizit von der Mehrheit als positiver Faktor genannt. Als Nachteile des österreichischen Forschungsstandortes wurden hingegen der hohe Regulierungsgrad und der teilweise damit verbundene Bürokratieaufwand angegeben. Die Unternehmen wünschen sich ein strafferes, weniger bürokratisches System, das die Vorteile einer großzügigen Förderlandschaft weiterhin beibehält.

Hier können Sie die gesamte Umfrage downloaden.

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Peter Fankhauser

Peter Fankhauser

Assistant| Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 7776 Mail: pfankhauser@deloitte.at

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