BFG zur Sofortabschreibung des Restbuchwertes abgerissener Gebäudeteile

Ein für gewerbliche Tätigkeiten eigengenutztes Gebäude wurde zu einem Mietwohnhaus umgebaut. Der Beschwerdeführer erfasste den Restbuchwert des abgerissenen Gebäudeteils und die hierfür entstanden Kosten der Umbaumaßnahmen als Sofortaufwand. Das Finanzamt hingegen qualifizierte den „geopferten“ Restbuchwert sowie die Abrisskosten als aktivierungspflichtige Herstellungskosten des neu erschaffenen Gebäudes.

Sachverhalt.

Eine im Baumeistergewerbe tätige GmbH nutzte ein in ihrem Betriebsvermögen befindliches Gebäude als Büro- und Ausstellungsräumlichkeiten. Nach Betriebsverlegung in ein anderes Objekt wurden das ehemalige Bürogebäude wesentlich verändert und sechs Wohnungen eingebaut, wobei das Gebäude bis zum Rohbau abgebrochen wurde. Daraus resultierte ein Erneuerungsbedarf von 54,5% der Substanz bzw des Restbuchwertes des alten Gebäudes. Dieser „geopferte“ Anteil am Gebäude wurde als „Abgang von Anlagevermögen“ als Sofortaufwand berücksichtigt. Im Körperschaftsteuerbescheid qualifizierte das Finanzamt diesen aliquoten Anteil hingegen als nachträglich aktivierungspflichtige Herstellungsaufwendungen, da das Gebäude in seiner Hülle und somit als identes Wirtschaftsgut erhalten geblieben sei. Es erfolgte lediglich eine Änderung der Wesensart (nunmehr Vermietung und Verpachtung).

Erwägungen des BFG.

Aufgrund weitreichender Umbaumaßnahmen am Gebäude wurde das ursprüngliche Wirtschaftsgut  in seiner Gesamtkonzeption völlig verändert, weshalb es sich laut BFG (27.4.2018, RV/5101576/2015) nach dem Teilabriss nicht mehr um den identen Vermögensgegenstand iSd Judikatur des VwGH handeln kann. Aus dem Einbau der Wohnungen im überwiegenden Teil des Hauses resultierte eine völlige Funktionsänderung des Gebäudes. Es kann daher nicht mehr vom gleichen Wirtschaftsgut gesprochen werden. Aus diesen Erwägungen wurde vom BFG dem Beschwerdeführer zugestanden, dass der Vermögensgegenstand und sein Wert vernichtet wurden und letzterer daher nicht als Herstellungskosten auf den Neubau aktiviert werden konnte.

Zudem war strittig, ob der „Buchwert abgeganger Anlagen“ auch als sofort abzugsfähige Betriebsausgabe berücksichtigt werden kann, wenn lediglich ein Teil des Gebäudes abgerissen wurde. Auch wenn die Außenhülle des Gebäudes größtenteils erhalten blieb, handle es sich laut BFG beim Altgebäude und beim Neugebäude nicht um dasselbe Wirtschaftsgut, da sich die Zweckbestimmung geändert hatte.

Abbruchkosten und Restbuchwert des geopferten Gebäudes stehen nicht im Zusammenhang mit dem Neubau und sind daher im Rahmen der Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung als Betriebsausgaben zu berücksichtigen.

Fazit.

Während das Finanzamt im gegenständlichen Fall an physische Aspekte, nämlich an die Erhaltung der Grundsubstanz eines Gebäudes anknüpft, stellt das BFG auf die Herstellung eines (neuen) Wirtschaftsgutes durch die Funktions- bzw Wesensänderung eines Gebäudes ab und entspricht somit der Judikatur des VwGH (25.1.2006, 2003/14/0107; 27.11.2014, 2011/15/0088). Die Sofortabschreibung des Restbuchwertes und der Abrisskosten als Betriebsausgaben hat das BFG in seiner Erkenntnis somit als zulässig erklärt.

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Celine Gunz

Celine Gunz

Praktikant | Deloitte Tax Mail: cgunz@deloitte.at@deloitte.at

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