Abzugsteuer – Vorsicht bei Auslandszahlungen

Die in den §§ 99 ff EStG geregelte Abzugsteuer ist eine Sonderform der Einkommensteuer auf Leistungen beschränkt Steuerpflichtiger. Der auszahlende Unternehmer hat für gesetzlich bestimmte Leistungen ausländischer Dienstleister vom auszuzahlenden Entgelt eine Abzugsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Obwohl eine Vielzahl von Unternehmern davon betroffen ist, wird diese Verpflichtung in der Praxis oft übersehen. Nachdem die ordnungsgemäße Abfuhr der Abzugsteuer seit 1.1.2016 auch im Rahmen der GPLA (Gemeinsame Prüfung lohnabhängiger Abgaben) kontrolliert wird, ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Thema jedenfalls empfehlenswert, um erhebliche Nachzahlungen oder sogar finanzstrafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Betroffene Leistungen und Personen.

Der Abzugsteuer gem §§ 99 ff EStG unterliegen Zahlungen für empfangene Dienstleistungen, welche von bestimmten Steuerausländern wie zB Schriftstellern, Vortragenden, Künstlern, Sportlern, kaufmännischen oder technischen Beratern, Arbeitskräfteüberlassern, Lizenzgebern oder Aufsichtsräten erbracht werden (sachlicher Tatbestand). Als Steuerausländer gelten natürliche oder juristische Personen, die weder einen Wohnsitz, noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt bzw weder die Geschäftsleitung noch ihren Sitz im Inland haben (persönlicher Tatbestand). Ist sowohl der sachliche als auch der persönliche Tatbestand erfüllt, haben inländische Auftraggeber im Zahlungszeitpunkt den Steuerabzug an der Quelle durchzuführen. Schuldner der Abzugsteuer ist der ausländische Zahlungsempfänger, die Verpflichtung zur rechtmäßigen Abfuhr der Steuer trifft jedoch den inländischen Auftraggeber. Die Abzugsteuer ist bis spätestens am 15. Tag des auf die Zahlung folgenden Kalendermonats abzuführen und zusätzlich mittels Formular E 19 der Finanzverwaltung zu melden.

Steuerberechnung.

Hinsichtlich der Höhe der Abzugsteuer ist zwischen Brutto- und Nettobesteuerung zu unterscheiden. Bei Anwendung der Bruttobesteuerung beträgt die Abzugsteuer 20% vom vollen Betrag der betreffenden Einnahmen ohne Abzug von Ausgaben. Die Bemessungsgrundlage ist daher das ausbezahlte Honorar zzgl. allfälliger Kostenersätze sowie Sachbezüge. Lediglich eine allenfalls enthaltene Umsatzsteuer vermindert die Bemessungsgrundlage. Sofern der Auftraggeber vereinbarungsgemäß auch die Abzugsteuer übernehmen soll (und daher eine sog Nettovereinbarung besteht), muss die Abzugsteuer auf einen Bruttobetrag hochgerechnet werden („gross-up“). Die Abzugsteuer berechnet sich in diesem Fall mit 25% vom Auszahlungsbetrag.

Bei der Nettobesteuerung können die mit den Einnahmen unmittelbar zusammenhängenden Ausgaben zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage abgezogen werden. Die Anwendung setzt voraus, dass der Leistungserbringer in der EU oder im EWR ansässig ist und die Ausgaben dem Schuldner der Einkünfte vor Zufließen der Einkünfte schriftlich mitgeteilt hat. Der Steuersatz bei Nutzung der Nettobesteuerungsmethode beträgt 25%.

Befreiung vom Steuerabzug.

Vielfach sehen die Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) Österreichs mit dem Ansässigkeitsstaat des Leistungserbringers eine Einschränkung des österreichischen Besteuerungsrechts vor, insbesondere wenn der ausländische Unternehmer in Österreich über keine Betriebstätte verfügt. Diesfalls hat ausschließlich der Ansässigkeitsstaat des Leistungserbringers und nicht Österreich das Besteuerungsrecht. Dennoch darf Österreich nach nationalem Recht die Abzugsteuer einheben (dem ausländischen Unternehmer kommt in diesem Fall ein Rückerstattungsanspruch zu).

Eine Steuerentlastung an der Quelle ist gem der DBA-Entlastungsverordnung möglich, wenn dem auszahlenden österreichischen Unternehmer ein vom ausländischen Leistungserbringer ausgefülltes und von der ausländischen Steuerbehörde im Ansässigkeitsstaat des Steuerpflichtigen bestätigtes Formular ZS-QU1 (für natürliche Personen) oder ZS-QU2 (für juristische Personen) vorgelegt wird. Damit wird bestätigt, dass der Ansässigkeitsstaat des ausländischen Unternehmers über die österreichischen Einkünfte informiert ist. Eine vereinfachte Dokumentation (insbesondere allgemeine Daten des Leistungserbringers; Art und Höhe der Vergütung; Wohnanschrift bzw Ort der Geschäftsleitung; Erklärung, dass keine Verpflichtung zur Weitergabe der Einkünfte an andere Personen besteht) ist bis zu einer Jahresvergütung von EUR 10.000 möglich.

Fazit

Empfangene Leistungen von ausländischen Unternehmern unterliegen in vielen Fällen einer Abzugsteuer in Österreich. Es ist darauf zu achten, dass den Erfordernissen im Hinblick auf die Abzugsteuer fristgerecht nachgekommen und bei Bedarf fachliche Unterstützung angefordert wird, um möglicherweise drohende finanzstrafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Nicht zu unterschätzen ist auch die drohende finanzielle Belastung, wenn die Finanzverwaltung das österreichische Unternehmen zur Haftung für eine nicht einbehaltene Abzugsteuer heranzieht und man diese Beträge vom ausländischen Leistungserbringer nicht mehr zurückfordern kann. Damit der inländische Auftraggeber eine mögliche Befreiung von der Abzugsteuer in Anspruch nehmen kann, bestehen unterschiedliche Dokumentationserfordernisse.

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Gregor Binder

Gregor Binder

Assistant | Deloitte Tax
Telefon: +43 1537 00 6910
Mail: gbinder@deloitte.at

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