Deloitte Studie: Digitaler Wandel im Rechnungswesen schreitet in Österreich langsam aber doch voran

Zwei Jahre nach Veröffentlichung unserer ersten Studie zum Thema „Automatisierung und Digitalisierung im Rechnungswesen“ wurden österreichische Unternehmen diesen Herbst erneut zum Status Quo befragt. Was hat sich in den letzten beiden Jahren getan und wie haben sich die Unternehmen in diesem Bereich weiterentwickelt? Die neue Auflage der Studie zeigt aktuelle Handlungsfelder auf und wagt einen Ausblick.Betrachtet man die Ergebnisse der aktuellen Befragung, so ist seit 2016 durchaus eine Weiterentwicklung zu beobachten. Die Automatisierung und Digitalisierung im Rechnungswesen heimischer Unternehmen schreitet grundsätzlich voran. Von einer digitalen Revolution kann jedoch keine Rede sein.

Der Grad der Digitalisierung ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während einige Unternehmen bereits überwiegend papierlos arbeiten und viele Prozesse automatisiert haben, stehen andere noch am Beginn ihrer Digitalisierungs- und Automatisierungsreise. Zu 100 % digitalisiert sind nach Selbsteinschätzung nur 2 % der Unternehmen. Ungeachtet der tatsächlichen Umsetzung sind sich die heimischen Befragten der zunehmenden Relevanz dieses Themas bewusst und zeigen verstärktes Interesse daran. Immerhin 43 % der österreichischen Unternehmen geben an, bereits eine Digitalisierungsstrategie entwickelt zu haben, weitere 49 % planen in den nächsten drei Jahren eine solche aufzusetzen.

Basisarbeiten im Fokus

Der aktuelle Fokus liegt in den heimischen Betrieben vorrangig auf der Automatisierung der Purchase-to-Pay-Prozesse. Marktbeobachtungen zeigen, dass hier am meisten Ressourcen investiert werden. Dennoch lässt sich im Zeitvergleich kein signifikanter Anstieg des Automatisierungsgrades erkennen. In einer Durchschnittsbetrachtung zeigt sich die Herausforderung: Unternehmen erhalten lediglich rund die Hälfte der Eingangsrechnungen in elektronischer Form – und dabei meist in einem unstrukturierten Format.

Im Vergleich dazu ist der Grad der Automatisierung im Order-to-Cash-Prozess höher. Die Abwicklung liegt hier größtenteils in der Hand des Unternehmens. Auch der Anteil jener, die noch keine elektronischen Ausgangsrechnungen versenden, geht stetig zurück. Das volle Potenzial wird dennoch nicht genutzt.

Zukunftstrends in den Kinderschuhen

Wenn es um neuere Technologien wie Cloud-Lösungen oder Robotic Process Automation geht, sind österreichische Unternehmen noch zurückhaltend: Cloud-Lösungen werden lediglich von 15 % der Befragten genutzt, RPA von 14 %. Im internationalen Vergleich liegt Österreich damit deutlich unter dem Durchschnitt. Das lässt sich unter anderem auf die hierzulande vorherrschende KMU-Landschaft zurückführen, denn die neuen Technologien kommen laut Studie eher bei den größeren Unternehmen zur Anwendung.

Doch auch Sicherheitsbedenken und der erwartete Aufwand eines Umstiegs sind gerade bei Cloud-Lösungen Gründe für Skepsis. Größere Cloud-Anbieter bieten jedoch bereits hohe Sicherheitsstandards und auch das Thema der Datenhaltung ist gelöst. Die Cloud ist demnach definitiv ein wichtiges Zukunftsthema, da die Nutzung klare Vorteile wie Kosteneinsparung und schnelle Verfügbarkeit bietet.

Mitarbeiter sind gefordert

Bedingt durch die ständige Weiterentwicklung im Rechnungswesen ändert sich auch das Berufsbild der in diesem Bereich tätigen Mitarbeiter. Deshalb werden von Buchhaltern in Zukunft neben der fachlichen Kompetenz auch zunehmend Prozessoptimierung und IT-Kenntnisse gefordert. 81 % der befragten Unternehmen sind sich dieser veränderten Anforderungen an ihre Rechnungswesen-Mitarbeiter bewusst.

Ausblick

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Automatisierung und Digitalisierung sind nach wie vor sehr präsente Themen in den heimischen Rechnungswesenabteilungen und werden es auch künftig bleiben. Im Mittelpunkt steht in den nächsten drei Jahren vor allem der Purchase-to-Pay-Prozess. Modernere technologische Entwicklungen wie der Einsatz von Robotic Process Automation und Blockchain werden im Vergleich dazu als weniger zukunftsrelevant eingestuft.

Der Schlüssel zur raschen Weiterentwicklung liegt vor allem bei den Mitarbeitern: Die Anforderungsprofile verändern sich und machen neue Aus- und Weiterbildungswege erforderlich. Unternehmen sind gut beraten, hier verstärkt anzusetzen und die Mitarbeiter gezielt auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten. Nur ein gutes Zusammenspiel von Technologie und Arbeitskraft garantiert eine erfolgreiche Digitalisierung.

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Katrin Demelius

Katrin Demelius

Senior Manager | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 2619 | E-Mail senden

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