Ein Hard Brexit droht – jetzt noch mögliche Umsatzsteuerrisiken eindämmen

Mangels Rechtsgrundlage werden die Datenverbindungen zu den IT-Systemen der britischen Steuerbehörden bei einem Hard Brexit quasi gekappt. Dadurch ergibt sich auch für österreichische Unternehmen dringender Handlungsbedarf.

Ausgangspunkt.

Während zu den materiell rechtlichen Auswirkungen des Brexit bereits ausführlich berichtet wurde, haben praktische Auswirkungen bisher wenig Beachtung gefunden. Insbesondere können sich durch den Wegfall der Vernetzung der IT-Systeme der Finanzbehörden ungeahnte umsatzsteuerrechtliche Probleme ergeben.

Vorsteuererstattung.

Das EU-weite elektronische Verfahren zur Erstattung von Vorsteuern fällt bei einem Hard Brexit für Vorsteuerbeträge aus Großbritannien voraussichtlich weg. Die gewohnte Antragstellung über FinanzOnline ist dann nicht mehr möglich. Das Verfahren würde sich stattdessen ausschließlich nach britischem Recht richten, wobei die genaue Ausgestaltung aktuell noch nicht absehbar ist.

Aus heutiger Sicht ist am ehesten damit zu rechnen, dass vorerst für österreichische Unternehmen in Großbritannien das derzeitige Verfahren für Drittstaaten anwendbar wird. Vorsteuererstattungsanträge könnten demnach nur noch in Papierform bei den britischen Steuerbehörden eingebracht werden, wobei ua eine verkürzte Frist (6 statt 9 Monate) und ein abweichender Fristenlauf (ab dem 30.6. des jeweiligen Kalenderjahres) zu beachten sein könnten. Insbesondere könnten nach diesem Verfahren Vorsteuerbeträge aus dem Zeitraum 01-06/2018 gefährdet sein, da Vorsteuererstattungsanträge für diesen Zeitraum im Verfahren für Drittländer laut britischem Recht grundsätzlich bereits bis Ende 2018 einzubringen waren.

UID-Abfragen.

Bei einem Hard Brexit wird die Abfrage britischer UID-Nummern (GB + 9 Ziffern, zB GB123456789) voraussichtlich sowohl über FinanzOnline als auch über VIES nicht mehr möglich sein. Sofern keine regelmäßige Überprüfung und Dokumentation der Gültigkeit der UID-Nummern der Geschäftspartner erfolgt, könnten österreichische Unternehmen nach einem Hard Brexit vermehrt mit Nachweisproblemen konfrontiert sein, so beispielsweise im Zusammenhang mit innergemeinschaftlichen Lieferungen oder Dienstleistungen an britische Unternehmen.

Fazit.

Auch wenige Wochen vor dem geplanten Austrittsdatum bleibt die genaue rechtliche Ausgestaltung des Brexit vollkommen unklar, was die Wahrscheinlichkeit eines Hard Brexit und die damit verbunden Unsicherheiten und Risiken ansteigen lässt. Vor diesem Hintergrund sollten aus umsatzsteuerrechtlicher Sicht sobald als möglich – spätestens jedoch vor dem möglichen Austritt Großbritanniens am 29.3.2019 – die folgenden Maßnahmen zur Risikoreduktion gesetzt werden:

  • Einbringung von Vorsteuererstattungsanträgen für Vorsteuern aus Großbritannien über FinanzOnline
  • Einholung und Archivierung von UID-Abfragen für alle britischen Geschäftspartner, sofern nicht ohnehin laufend Nachweise eingeholt werden.
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Stephan Wassipaul

Stephan Wassipaul

Senior Assistant | Deloitte Tax | Telefon: +43 1 537 00 4945 | E-Mail senden

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