Freunde-Vereine – Fallstricke bei der Umsatzsteuer

Vereine sind aus der österreichischen Kunst- und Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Eine besondere Rolle spielen dabei die sogenannten „Freunde-Vereine“. Sie können Museen und Theater unterstützen, indem Sie beispielsweise finanzielle Mittel zur Verfügung stellen oder es ihren Mitgliedern ermöglichen, kulturelle Darbietungen regelmäßig zu verfolgen. Der vorliegende Beitrag widmet sich der Frage, was es dabei aus umsatzsteuerlicher Sicht zu beachten gilt.

Unternehmereigenschaft.

Aus umsatzsteuerlicher Sicht ist jeder Unternehmer, der eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit nachhaltig selbständig ausübt. Es kommt dabei auf das Vorliegen eines Leistungstauschs an. Spenden und Schenkungen sind typischerweise nicht steuerbare Umsätze, da es hierbei an einem Leistungstausch fehlt. Da (gemeinnützige) Vereine grundsätzlich sowohl über einen unternehmerischen wie auch einen nicht-unternehmerischen Bereich verfügen können, empfiehlt es sich die Einnahmen einer Einzelfallprüfung zu unterziehen.

Mitgliedsbeiträge und Umsatzsteuer.

Bei Mitgliedsbeiträgen wird zwischen echten und unechten Beiträgen unterschieden. Sogenannten echten Mitgliedsbeiträgen steht keine Gegenleistung gegenüber, dh sie sind für die Erfüllung des Gemeinschaftszweckes zu entrichten. Mangels konkretem Leistungsaustausch unterliegen sie nicht der Umsatzsteuer. Demgegenüber sind Leistungen, die für unechte Mitgliedsbeiträge erbracht werden, umsatzsteuerbar. Dies ist beispielsweise bei Beiträgen, die ausschließlich für den Erhalt von bestimmten Eintrittskarten entrichtet werden, der Fall. Mitgliedsbeiträge können echte und unechte Komponenten haben. In derartigen Fällen hat eine Aufteilung zu erfolgen und nur der unechte Teil unterliegt der Umsatzsteuer.

Gratistickets.

Erhält ein Verein von der durch ihn geförderten Institution Freikarten für bestimmte Veranstaltungen oder Eintritte, stellt sich ebenfalls die Frage, ob ein Leistungsaustausch vorliegt. Steht den Gratiskarten eine konkrete Leistung des Vereins gegenüber, sind diese umsatzsteuerbar. Fehlt eine konkrete Gegenleistung, stellt sich die Frage, ob allenfalls im Wege eines Leistungseigenverbrauchs eine Umsatzsteuerpflicht der geförderten Institution gegeben sein kann. Dies ist dann der Fall, wenn der unternehmerische Zweck nicht ausreichend nachgewiesen werden kann.

Leistungen an Freunde-Vereine.

Im Allgemeinen ist jedoch bei Leistungen der geförderten Organisation an einen Freunde-Verein Vorsicht geboten. Bei einer kostenfreien Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten oder Personal kann der Vermögensabfluss als widmungswidrige Mittelverwendung der Kulturinstitution gewertet werden. Dies könnte schlimmstenfalls ein Risiko für deren steuerliche Gemeinnützigkeit darstellen.

Fazit.

Im Bereich der Umsatzsteuer bestehen zahlreiche praxisrelevante Fragen für den Vereinsbetrieb eines Freunde-Vereins. Besonderes Augenmerk ist auf die umsatzsteuerliche Würdigung von Mitgliedsbeiträgen zu legen. Zudem ist auch die Einstufung von Leistungen seitens eines Museums oder Theaters an den Verein zu beachten, da sich Fehler in der steuerlichen Gebarung auch negativ auf die geförderten Institutionen selbst auswirken können.

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Edith Lebenbauer

Edith Lebenbauer

Manager | Deloitte Tax Telefon: +43 1 537 00 6670 Mail: elebenbauer@deloitte.at

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